Wenn Werner Retter über die Hirschbirne spricht, dann klingt er mehr nach Sommelier als nach Obstbauer. „Von allen bekannten Birnensorten hat sie das beste Zucker-Säure-Verhältnis“, sagt er dann, „kosten sie den Saft einmal, das schmeckt wie Süßwein. Sie schaut vielleicht nicht schön aus, aber für die Verarbeitung zählen die inneren Werte.“

Die Hirschbirne ist die traditionelle Birnensorte der Oststeiermark, vor allem des Pöllauer Tals. Sie ist an das Klima und den Boden perfekt angepasst – vor 20 Jahren aber wäre es fast um sie geschehen gewesen. „Eine ganze Generation hat die Hirschbirne falsch bewertet“, sagt Retter. „Die Bauern haben die alten Bäume auf den Streuobstwiesen umgeschnitten, weil die Großhändler die unregelmässigen Birnen nicht wollten.“

Retter glaubte an das regionale Produkt, das von Slow Food in die Arche des Geschmacks aufgenommen wurde. „Wir wollten nicht die 500ste Williamsbirnen- Plantage, sondern auf das setzen, was sich seit Jahrhunderten bewährt hat.“ Er begann, die Birne und ihren köstlichen Die Königin der Birnen Saft als regionales Produkt zu vermarkten – heute kann er die Nachfrage nicht einmal ansatzweise befriedigen.

Er kauft den Bauern der Gegend ihre Früchte für den vierfachen Preis anderer Birnensorten ab und macht daraus Saft und Edelbrände. Kommendes Jahr sollen in einer Art Wiederaufforstung 5.000 neue Bäume gepflanzt werden. Weil die aber mindestens 15 Jahre brauchen, bis sie tragen, wird Hirschbirnen-Saft noch eine Weile ein rarer Genuss bleiben.

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