Slow Food ist mehr als nur das Gegenteil von Fast Food. Es ist die Lehre vom verantwortungsvollen Genießen.

Als 1986 Carlo Petrini, ein überaus charismatischer Mann, in aktionistischer Manier in Rom öffentlich eine riesige Tafel mit traditionellem, italienischem Essen organisierte, konnte noch niemand ahnen, welche Welle er damit lostreten würde. Petrini und seine Mitstreiter wollten damals auf die geplante Eröffnung einer Fast Food Filiale aufmerksam machen, die ihrer Meinung nach ein Symbol für die weltweite Vereinheitlichung des Geschmacks durch industrielle Einheitsgerichte ist. Niemand ahnte, dass sich daraus eine internationale Bewegung entwickeln würde.

Carlo Petrini,der internationale Slow Food Präsident, ist überzeugt davon, dass Lebensmittel gut, sauber und fair sein sollen. Das heißt, sie sollen herausragend schmecken, ökologisch und nachhaltig hergestellt werden und den Produzentinnen und Produzenten einen fairen Preis einbringen. 1989 war daraus die Slow Food Bewegung entstanden und heute ist Slow Food in 130 Ländern mit rund 100.000 Mitgliedern vertreten.

Um gezielt regional agieren zu können, besteht Slow Food aus vielen kleinen, regionalen Verbänden, Convivien genannt, die sich unter dem Hauptgedanken von Slow Food unabhängig für Ihre Region einsetzen und ehrenamtlich verschiedenste Aktionen und Veranstaltungen organisieren. In Österreich werden die Convivien als eigenständige, gemeinnützige Vereine geführt. Slow Food Wien ist eines der österreichischen Convivien.

Durch Informationsarbeit, Verkostungen, Geschmacksschulungen, Veranstaltungen und vieles mehr versuchen wir, bei Erwachsenen und Kindern ein Bewusstsein für Qualität, Aroma, Duft und Geschmack von Lebensmitteln zu schaffen. Slow Food fördert das Lebensmittelhandwerk, kleine Betriebe, die bodenständige Gastronomie und die Hersteller von naturnahen, regionaltypischen Lebensmitteln. Regionen haben eine „kulinarische Identität“ die ebenso typisch ist, wie die lokale Sprache, Kultur oder Architektur. Was wir anbauen, ernten und verarbeiten und wie wir es örtlich tun, verankert uns in unserer Region, gibt uns Identität. Slow Food will den Saatgutverlust verhindern, sowie regionale Anbaumethoden, Produkte und Anbieter fördern. Jeder Mensch hat das Recht auf Genuss und auf den unendlich vielfältigen Geschmack von lokalen Spezialitäten. Es ist eine Gegenströmung zum rapide um sich greifenden „Essen im Nebenbei“.

Im Mittelpunkt steht dabei die Terra Madre, jener internationale Kongress, der seit 2004 jedes zweite Jahr in Turin stattfindet. 2014 wurde der Salone del Gusto, jener internationale Markt des Genusses der jedes Jahr parallel zur Terra Madre stattfindet, komplett in diese integriert. Zum Jahrestreffen 2014 strömten über 1000 Aussteller - Bauern, Züchter, Fischer, Handwerker, Verarbeiter und Köche-, 3000 Delegierte sowie 220.000 Besucher aus über 130 Ländern nach Turin. Ziel dieser Treffen ist, das noch feine Netzwerk der regionalen Kleinproduzenten zu verfestigen. Bisher hatten sich vor allem Großkonzerne miteinander vernetzt, um den Geschmack zu normieren.


Die Slow Food Stiftung für Biodiversität hat mit „Der Arche des Geschmacks“ ein weiteres ehrgeiziges Projekt ins Leben gerufen. In dieser Arche werden Lebensmittel, die im Zuge der Globalisierung und Industrialisierung der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion vom Verschwinden bedroht sind, erhalten. Auch Österreich ist seit 2006 Teil des weltweiten Netzwerks – rund 25 Lebensmittel konnten bisher gelistet und damit auf die große internationale Bühne gehoben werden – vom Wiener Gemischten Satz, über den Tauernroggen, die Elsbeere, bis zum Grubenkraut.

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